Michail Schischkin:  Venushaar

Michail Schischkin hat 1995 der Liebe wegen Russland verlassen. Er lebt heute in der Schweiz und arbeitet als Dolmetscher in der Einwanderungsbehörde. Er ist Zeuge wenn Menschen zu Asylanten gestempelt werden und als Akte in einem schweizer Ordner verscheinden.

Viele Einzelpersonen aus vielen Jahrhunderten zeigt der heutige schweizer Staatsbürger, sind und waren schon immer auf der Wanderschaft. Sie flüchteten vor Krieg oder sozialer Not. Schischkin hält all dies fest und verliert dennoch nicht den Blick fürs Ganze.

Besonders authentisch wird der Autor dort, wo er sich selbst zum Asylanten macht. Was er vorher nur beobachtete, durchläuft er nun selbst. Er muss Rede und Antwort stehen um seinen Stempel zu bekommen.

Mit diesem Buch hat sich Michail Schischkin den deutschsprachigen Lesern ins Gewissen geschrieben, vielleicht nur so wie es Russen können. In diesem Buch steckt nicht nur der Hilferuf aller Verfolgter an die satte Menschheit, es ist auch eine Hommage an die russische Sängerin Isabella Juriewa und nicht zuletzt besitzt dieses Buch eine literarische Schönheit, auch wenn Michail Schischkin einzelne Szenen zumindest sprachlich sehr deutlich beschreibt.

Dieses Buch ist für uns hier im noch reichen Westen geschrieben. Nicht nur um einen neuen Blick auf Asylanten zu werfen, sondern um unsere eigenen Defizite zu erkennen.

Lesen Sie dieses zeitlose Buch, Sie werden es nicht bereuen!

 

DVA, ISBN 978-3-421-04441-9, Preis 24, 99 Euro

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