Rainer Wochele:  Sand und Seide

Die erfolgreiche Modemacherin Dr. Dorothee Dürr, Mitte 30, seit drei Jahren geschieden, ziemlich attraktiv, sitzt gerade in ihrem Auto, rast durch den bayrischen Wald und ist auf der Flucht. Sie will nach Moskau und keinesfalls in den Knast. Die Polizei ist wegen Steuerhinterziehung in beträchtlicher Höhe hinter ihr her. Doch plötzlich bleibt sie mitten im Wald auf einsamer Strecke, nicht nur im Funkloch, sondern auch im Sand stecken und kommt keinen Meter mehr vorwärts.

Glücklicherweise zeltet in der Nähe Dr. Horst Hochtief. Er ist ebenfalls Mitte 30, allerdings nicht gerade erfolgreich. In letzter Zeit ging es mit ihm immer mehr Berg ab.

Beide Protagonisten treffen sich, es beginnt heftig zwischen beiden zu knistern und der Leser wird mitten hineingenommen in die Welt starker Frauen und doch nicht ganz so schwacher/starker Männer, dies ist sicher Ansichtssache. Was mich beim Lesen dieser sehr guten Story unheimlich gestört hat, ist, dass die Dialoge nicht in Anführungszeichen gesetzt waren. Manchmal habe ich erst nach den Lesen eines Satzes mitbekommen: aha, da hat jetzt jemand etwas gesagt.

Die Story an sich kommt mit sehr wenigen Protagonisten aus, ist klug durchdacht und hat dem gesellschaftlichen Zeitgeist viel zu sagen. Hatte ich mich erst einmal an die Dialoge ohne Anführungszeichen gewöhnt, konnte ich auch meinen Frieden mit Rainer Wochele machen.

Klöpfer & Meyer, ISBN 978-3-863-51024-4, Preis 19, 50 Euro

 

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