Lutz Kleveman:  Kriegsgefangen

Kleveman ist Jahrgang 74, er hat die gegenwärtigen Kriegsschauplätze als Kriegsreporter alle gesehen, aber seine wirkliche Auseinandersetzung mit Krieg und vor allem mit Faszination für den Krieg, beginnt völlig unverhofft in seinem Vaterhaus bei Bremen.

Seine Mutter ruft ihn, um sein Erbe, den väterlichen Hof, anzutreten. Kleveman kommt und grübelt, warum mit seiner Kindheit soviel Furcht verbunden war. Er kommt schnell auf seinen Großvater der im selben Jahr starb, in dem der Autor geboren wurde, dessen Schatten aber noch Jahre später Macht ausübten. Aber jetzt da Lutz Kleveman zurückgekehrt ist aus der Welt mit seinen grausamen Orten, jetzt ist Kleveman fähig zur Aufarbeitung familiärer Kriegsambitionen.

In seinem Großvater begegnet er einem Mann der aus Überzeugung Militär war. Und immer wieder beschreibt der Autor Kriegsschauplätze in Afghanistan, Sierra Leone, Jugoslawien und vielen an deren Orten, hebt so die Kriegslust seiner eigenen Vorfahren auf eine Ebene mit den gegenwärtigen Kriegen.

Dieses Buch beeindruckt mich besonders deshalb so sehr, weil Lutz Kleveman auch die Unbequemlichkeiten nicht verschweigt. Wichtig ist aber, dass er nach seiner Flucht aus seinem Elternhaus, gleich nach der Schule, zur Spurensuche zurückkehrt.

Literarisch wie geschichtlich meisterlich geschrieben!

Siedler, ISBN 978-3-88680-990-5, Preis 22, 99 Euro

Nach oben