Peter Seewald:  Jesus Christus

Diese Jesusbiografie ist die umfangreichste, die in den letzten Jahrzehnten erschienen ist ' und dann noch von einem Nichttheologen geschrieben. Peter Seewald ist mit diesem wunderbaren Buch so einiges gelungen.

Er hat nicht nur die Biografie des Menschen und Gottessohnes Jesus Christus in einer auch für jeden nicht theologisch vorbelasteten Leser gut verständlichen Sprache geschrieben, sondern er hat diesen Jesus mitten in unsere Gesellschaft geholt. In meinen Augen ist das der größte Verdienst des Journalisten Peter Seewald.

Für den Autor war die Jesus-Biografie ein Auftragswerk. Gerne gibt Seewald zu: "Manchmal hatte ich auch ein bisschen Angst vor dem Thema." Aber was nun nach neunjähriger Arbeit vor mir auf dem Tisch liegt, ist ein beeindruckendes Werk, das man unbedingt gelesen haben sollte.

In einem Gespräch sagte der Autor dieser Tage: "Jesus ist ja in den vergangenen Jahren von unterschiedlichsten Experten bis zur Unkenntlichkeit zerlegt worden und uns dadurch irgendwie abhanden gekommen." Mit dieser Einschätzung setzte sich der Autor in ein Flugzeug und bereiste all die Städte und Gegenden von denen man weiß, auch Jesus war bereits dort.

Der 700 Seiten Wälzer ist in vier Teile zerlegt. Die nochmalige Unterteilung erleichtert das Lesen ungemein. Während Peter Seewald sich im 1. Teil besonders mit dem Mythos der Gestalt Jesus beschäftigt, stellt er Jesus im 2. Teil als im Aufbruch befindlich dar, auch auf die Taufe Jesu geht der Autor ein. Selbstverständlich ist seine enge Zusammenarbeit bei der Spurensuche der Person Jesu mit den Evangelisten. Oft lässt er sie zu Wort kommen, lässt uns aber auch seine persönliche Einschätzung der Dinge wissen, ohne dabei oberlehrerhaft zu wirken. Im 3. und 4. Teil der Biografie geht Peter Seewald auf einzelne Begebenheiten Jesus ein. Es ist ratsam beim Lesen eine Bibel dabei zu haben. Oft werden die Evangelien für mein Empfinden zu knapp zitiert, da wollte ich mir dann doch schon den Zusammenhang des jeweiligen Zitates ansehen.

Die Meinungen mögen auseinandergehen, was die Spurensuche nach der Person des historischen Jesus betrifft. Aber diese Biografie enthält noch einen anderen ebenso spannenden Erzählstrang. "Ich bin überzeugt, dass die Krise der Gesellschaft ihren Grund hat in einer Krise des Christentums.[...] Und die Krise des Christentums liegt zum gutteil an einer mangelnden Begeisterung für Christus", sagt Peter Seewald.

Für mich ist dieses Buch eines der wichtigsten dieses Herbstes, von dem auch auf der gerade zuendegegangenen Frankfurter Buchmesse viel Positives zu hören war. Die Frage, ob mit diesem Buch nun Jesus in seiner Gesamtheit erschlossen ist, darf Peter Seewald selbst beantworten: "Eine einmalige Erscheinung wie Jesus ist nie ganz auszuleuchten. Aber es ist möglich Belege zu finden, bis hin zur Auferstehung, die uns zeigen, dass seine Geschichte und seine Offenbarung kein Märchen, keine nachösterliche Erfindung sind. Die Indizien sind eindeutig."

Knaur, ISBN 978-3-426-78494-5, Preis 14, 99 Euro

 

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