Tony Campolo:  Gutes für die Seele

Wenn sie auch zu denen gehören, die die Einleitung lieber überblättern als lesen, sollten sie bei diesem Buch eine Ausnahme machen. Evangelist Tony Campolo beschreibt sehr genau, wie das so ist mit der täglichen Prise Evangelium. Für mein Empfinden trifft er dabei genau den richtigen Ton und führt den Leser gut vorbereitet zu seinen 117 Impulsen.

Sicher kann man Campolos Geschichten auch Andachten nennen. Für mich sind sie am Morgen gelesen ein guter Einstieg in den Tag. Dabei schlägt der Autor in seinen überall auf der Welt gesammelten Geschichten glücklicherweise nicht mit frommen Sprüchen um sich. Manchmal haben seine kurzen Geschichten, die sich mühelos in zwei Minuten lesen lassen, auf den ersten Blick gesehen nichts mit der Bibel am Hut.

In einer Geschichte ist beispielsweise ein Prediger in Afrika zu Besuch und hält dort einen Gottesdienst. Ein Afrikaner betet laut: "Herr, lass uns niemals in Steinhäusern leben." Nach dem Gottesdienst will der Prediger von dem Afrikaner wissen, was es mit seinem Gebet auf sich hat und hört die Antwort: "Die Menschen hier leben in Hütten und die Hütten haben keine Türen. Deshalb ist ihre Familie auch meine Familie und meine Familie, ist auch ihre Familie. Aber sobald Sie in ein Steinhaus ziehen, bauen Sie auch eine Tür..."

Die Geschichte geht noch wenige Zeilen weiter und der aufmerksame Leser weiß genau, was Tony Campolo seinen Lesern damit auf den Weg geben will. Ohne explizit darauf hinzuweisen wird auch der biblische Bezug sofort klar. So wie diese Geschichte sofort anspricht, tun es auch die anderen. Nimmt man sie nach dem Frühstück mit in den Tag hinein, könnte es sein, dass sich nicht nur die eigene Lebenseinstellung ändern, sondern das dies sogar seinem Nächsten auffällt und so Jesu Wirken in der Gegenwart sichtbar wird.

"Gutes für die Seele" gehört auf den Frühstückstisch. Spätestens wenn die ersten Kaffeeflecken auf dem Cover sind ist klar; dieses Buch erfüllt seinen Zweck!

cap-books, ISBN 978-3-867-73128-7, Preis 11, 95

Nach oben