Charles Lewinsky:  Gerron

Kurt Gerron war vor fast einem Jahrhundert eine bekannte Größe im deutschen Filmgeschäft. Nach abgebrochenem Medizinstudium reizte ihn die Schauspielerei und dort fand er Ruhm.

Doch den neuen politischen Machthabern in Deutschland passte der Stammbaum des Künstlers nicht und so wurde er deportiert und man spielte ihm selbst im Lager noch übel mit.

Was Charles Lewinsky mit seinem Roman nun vorgelegt hat, ist keinesfalls die übliche Biografie eines großen Künstlers, dem die Politik in die Karriere gefunkt hat. Vielmehr sehe ich in diesem Buch die vom Autor geschaffene Symbiose von historisch belegbaren Fakten und dichterischer Freiheit. Mit seinem Buch blickt Lewinsky auf eine Zeit zurück die nicht vergessen werden darf. Und genau aus diesem Grunde ist es für mich nicht wichtig ob alles Haar genau belegbar ist oder ob auch wirklich jede geschilderte Begegnung mit einem anderen Künstler jener Zeit auch wirklich stattgefunden hat. Für mich war die Vielzahl der Stimmungen mit denen Lewinsky diese Künstlergeschichte ausgestattet hat weit aus wichtiger und spannend zu lesen.

Nicht nur wegen Kurt Gerron, auch wegen der Ausflüge in die so paradoxe politische Zeit und die Filmwelt jener Jahre ist dieses Buch wertvoll. In ihm sind mir die Blickwinkel Lewinskys und seine meisterlich formulierten Stimmungsbilder wichtiger als nicht so wichtige Fakten.

Für mich hat Charles Lewinsky mit seinem "Gerron" ein weiteres Meisterwerk vorgelegt!

Nagel & Kimche, ISBN 978-3-312-00478-2, Preis 24, 90 Euro

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