Hans - Joachim Lang:  Die Frauen von Block 10

Was Hans - Joachim Lang hier an Informationen über medizinische Menschenversuche im Block 1o von Auschwitz zusammengetragen hat, lässt mir heute noch die Schamesröte ins Gesicht steigen. Nicht so sehr weil ich ein Deutscher bin, vielmehr, weil ich nicht verstehen kann, wie Menschen anderen Menschen solch ein Leid zufügen konnten.

Sehr genau hat der Autor in 18 Kapiteln Informationen gesammelt und sortiert und zu einem Gesamtbild des Schreckens zusammengefügt, das keinesfalls mit dem Mai 1945 zu Ende ist. So schildert Lang gleich zu Beginn eine Begegnung zwischen der jüdischen Augusta Nathan und ihrem ehemaligen Peiniger dem Medizinprofessor Carl Clauberg. Sie ist im Oktober 1955 noch einmal nach Deutschland zurückgekehrt und sieht Clauberg im Fernsehen. Er kehrt aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft heim nach Kiel. Augusta Nathan erstattet Strafanzeige.

Einzelschicksale, aber auch das Funktionieren im Großen schildert der Autor und verblüfft mich immer wieder, wie die gerade entstandene Bundesrepublik mit diesen Naziverbrechern umgeht. Im Fall Clauberg diskutierte das damalige Bundeskabinett sogar über die Frage ob Zwangssterilisationen überhaupt als Experimente anzusehen seien. Diese Formulierungen waren äußerst wichtig, weil die Verantwortlichen damals in der jungen Bundesrepublik den Kreis derer die finanzielle Hilfe in Form von Schmerzensgeld in Anspruch nehmen konnten sehr klein hielt.

Der Aufbau des Lagers mit seinem berüchtigten Block 10, das funktionieren des Alltags in diesem Block und die politische und rechtliche Aufarbeitung nach dem Krieg werden in diesem Buch sehr gut dargestellt. So ist dieses Buch, in einem Zeitalter, wo sich immer mehr Menschen trauen diese Fakten als haltlos zu bezeichnen, ein gut recherchiertes Zeugnis deutscher Geschichtsschreibung!

Hoffmann und Campe, ISBN 978-3-455-0222-0, Preis 22, 99 Euro

 

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