Pierre Kretz:  Der Seelenhüter

 Besteht Hoffnung?

"Der Seelenhüter" ist ein Mann der im elsässischen Heimsdorf lebt. 1952, da war er selbst 12 Jahre alt, stirbt seine Mutter im Irrenhaus. Kurz vorher besuchte er sie mit seiner Tante. "Der Seelenhüter" selbst erzählt: "sie sah mich, ohne mich zu sehen."

Bei seiner Tante und seinem Onkel fand er ein zu Hause. Er beschreibt das ständige hin und her seiner Heimat. Mal deutsch, mal französisch und immer kam der Krieg und holte sich noch mehr Männer. "Der Seelenhüter" selbst war nie im Krieg, er hält sich für feige und schuldig.

Pierre Kretz entwirft eine traurige Gestalt, in seiner Story die die Zerrissenheit einer Gegend und vielleicht einer ganzen Generation wiederspiegelt. "Der Seelenhüter" lebt jahrelang im feuchten Keller seines Hauses. Er hat Wäscheleinen gespannt und alle Fotos aufgehängt auf denen die Heimsdorfer Männer zu sehen sind, die im Krieg geblieben sind. Er wird zum Hüter ihrer Seelen.

Diesen nach Moder und Fäulnis riechenden Keller verläßt "Der Seelenhüter" nur Dienstags. Dann trifft er sich mit einem "Mann vom Fach" um an sich zu arbeiten. Ob ihm diese Sitzungen beim Psychoanalytiker wirklich hilfreich sind vermag ich nicht einzuschätzen. Von Seite zu Seite wird immer klarer, dass "Der Seelenhüter" den Keller verlassen muss.

Und dies geschieht dann auch wenige Seiten vor Schluss des Buches. Er nimmt das einzige existierende Foto auf dem er als Dreijähriger bei seinem Vater auf dem Schoß sitzt. "Der Seelenhüter" weiß, dass sein Vater im fernen Russland unter dem Parkplatz eines Supermarktes liegt.

Pierre Kretz hat mit seinem Seelenhüter der deutsch - französischen Freundschaft und anderen Seelenhütern einen großartigen Dienst erwiesen!
 

 Klöpfer & Meyer, ISBN 978-3-863-51025-1, Preis 18, 90 Euro

 

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