Hans Platzgumer:  Der Elefantenfuß

Mit diesem Buch ist es nicht so einfach. Ich hatte es einige Tage auf dem Tisch liegen. Dann nahm ich es mit auf meinen Lesesessel. Ja, es geht um Tschernobyl. Plötzlich hatte ich keine Lust mehr drauf. Tschernobyl ist 25 Jahre her. Ich warf das Buch auf den jetzt leeren Sessel und ging zum Fernseher.

Und dann das Unfaßbare. Tschernobyl in Japan. Mein Fernseher zeigte mir Explosionen an gleich mehreren japanischen Atomkraftwerken. Die Zahlen von bereits verstrahlten Menschen überschlugen sich. Ich schaute zurück auf meinen Sessel und auf mein Buch und dachte an den Zauberlehrling, der die Geister, die er einst rief nicht mehr los werden konnte. Geht es uns Menschen so mit der Atomenergie?

Im Buch geht es um den lieben Gott und um die Todeszone von Tschernobyl die heute in Weißrussland und der Ukraine liegt. Phillipe und Soraya aus der Schweiz befinden sich freiwilig mitten in dieser Todeszone und laufen in diesem Geisterland umher. Ja sogar in Wohnungen die vor 25 Jahren von den Sowjetbürgern fluchtartig verlassen wurden und in denen seit dieser Zeit kein Mensch gewesen ist, suchen die beiden Gott und sie fragen: Welche Botschaften hinterläßt Gott an dieser Stelle für uns Menschen?

Es gelingt mir nicht dieses Buch einfach so zu lesen. Zwischen neuen Bildern aus Japan und den 60 000 Atomkraftgegnern die bereits einen Tag später in Deutschland demonstrieren, lese ich weiter. Im Buch sagen die Helden: "Alles ist leer und tot hier."

Vor wenigen Tagen hätte niemand auch nur geahnt welche apokalyptische Aktualität dieses Buch bekommen würde. Das Buch zeigt sehr deutlich die Gefahren der Atomenergie, es zeigt wie wir Menschen um Gedeih und Verderb unsere Erde bestimmen. Dieses Buch lässt niemanden kalt und unberührt. Die Gedanken der Russen und Schweizer in diesem Buch haben mir sehr geholfen meine ersten Eindrücke aus Japan einzuordnen und zu verarbeiten.

 

Limbus, ISBN 978-3-902534-43-9, Preis 19, 80 Euro

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