Viktorija Tokarjewa:  Alle meine Feinde

So wie die Autorin Viktoria Tokarjewa selbst, so lebt auch ihre Heldin in ihrer Datscha. Die Malerin sieht sich umgeben von Feinden. Ans Leben wollen sie ihr zwar nicht, aber sie machen ihr das Leben zur Hölle.

Da ist Anka, die auf das Enkeltöchterchen aufpasst. Sie bekocht das kleine Mädchen, spielt mir ihr und ist ihre beste Freundin. Kommt die Malerin aus ihrem Atelier, hat das Kindermädchen nicht mal für sie mitgekocht. Das ist nicht schön und unsere geplagte Heldin fühlt sich mißachtet.

Ihr Nachbar Wanka verhält sich auch nicht gerade nett zu ihr. Gleich nach der Wende, als Glasnost Einzug hielt, setzte er seinen Grundstückszaun neu. Aber er mißachtete alte Grenzen, begann an der richtigen Stelle, aber wurde beim Abmessen ziemlich krumm, natürlich zu seinen gunsten. Die Malerin bestätigte mit ihrer Unterschrift die Richtigkeit des Zauns, hinterher ärgerte sie sich.

Auch ihre Stiefmutter Tanka sah sie als ihre Feindin an. Geldgierigkeit warf sie ihr vor, außerdem sah es so aus als hielte sie ihr den eigenen Vater fern.

So hatte die Malerin neben ihrem Enkeltöchterchen Sascha nur noch Foma, ihren Hund. Der war ein Feigling, vielleicht grad so wie sie selbst. Da es mit ihm keine Schwierigkeiten gab verstieg sie sich in die Feststellung: "Die Hundeseele, das ist die höchste Stufe der Entwicklung."

Spätetens als sie sehnsüchtig ausruft: "Alle meine Feinde, warum habt ihr mich verlassen?" nimmt die Erzählung eine andere Richtung. Anka und Wanka sind gegenagen. Der Vater der Malerin ist gestorben und sie selbst sieht sich so ganz ohne Feinde ziemlich arm dran. Tanka verfällt in tiefe Depressionen, für die Malerin wird an dieser Stelle klar was ihr bislang im Leben fehlte.

Ideenreich und tragisch - komisch versprüht Viktorija Tokarjewa in ihrem neuesten Buch Lebensweisheiten!

Diogenes, ISBN 978-3-257-06796-5, Preis 21, 90 Euro

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